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Schilddrüsenunterfunktion
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Verminderte Bildung und Ausschüttung der Schilddrüsenhormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). Die Schilddrüsenunterfunktion ist nach Diabetes die zweithäufigste Hormonstörung in Deutschland. Etwa 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung leben mit dieser Erkrankung. Durch den Hormonmangel läuft der Stoffwechsel auf Sparflamme. Betroffene bemerken das z. B. durch Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Muskelschwäche, Gewichtszunahme und Verstopfung. Behandelt wird durch den Ersatz der fehlenden Schilddrüsenhormone. Diese werden oft lebenslang als Tablette eingenommen.
Symptome und Leitbeschwerden
Bei Erwachsenen:
- Müdigkeit, körperliche Schwäche
- Antriebslosigkeit, depressive Verstimmung
- Gewichtszunahme trotz Appetitminderung, Verstopfung
- Erniedrigter Puls
- Kälteintoleranz
- Kühle und trockene Haut
- Stumpfe, trockene Haare, vermehrter Haarausfall
- Heisere, tiefe Stimme
- Myxödem (teigige, gelbliche Hautschwellungen), besonders im Gesicht
- Zyklusstörungen, Erektionsstörungen, Sterilität
- Evtl. Schilddrüsenvergrößerung (Kropf)
- Evtl. Muskelkrämpfe, Empfindungsstörungen, Schwerhörigkeit.
Bei Neugeborenen:
- Verlängerte Dauer eines Neugeborenen-Ikterus (Gelbsucht) über mehrere Wochen mit Gelbfärbung von Haut, Augäpfeln und Schleimhäuten sowie braunem Urin
- Schläfrigkeit
- Verringerte Muskelspannung, Bewegungsarmut
- Trinkfaulheit bei gleichzeitiger guter Gewichtszunahme
- Verstopfung
- Verlangsamter Puls
- Verminderte Körpertemperatur
- Evtl. weite Fontanelle, Nabelhernie
- Später evtl. vergrößerte Zunge, struppiges Haar, trockene und kalte Haut mit Myxödem (teigiger Hautschwellung).
Bei Kindern später zusätzlich:
- Verzögerung von Wachstum und Entwicklung mit Kleinwuchs und verspätetem Zahndurchbruch
- Verzögerung der geistigen und psychischen Entwicklung mit Apathie, Sprachstörung und Intelligenzminderung
- Schwerhörigkeit
- Adipositas
- Selten Schilddrüsenvergrößerung (Kropf).
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Tagen bei zunehmender Antriebslosigkeit verbunden mit Frieren sowie bei unerklärlicher Gewichtszunahme und häufiger Verstopfung.
Am selben Tag, wenn der Puls ungewöhnlich niedrig ist.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ in der unteren Halsregion. Sie bildet verschiedene Hormone, die den Stoffwechsel, die Körpertemperatur, den Herzschlag und die Verdauung regulieren.
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion werden die beiden Schilddrüsenhormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin) nur unzureichend gebildet und ins Blut abgegeben.
Eine erworbene Schilddrüsenunterfunktion betrifft vor allem ältere Erwachsene, Frauen etwa 4-mal häufiger als Männer. Seltener ist die angeborene Erkrankungsform, mit der etwa eines von 3200 Neugeborenen auf die Welt kommt.
Ursachen und Risikofaktoren
Bei der primären Hypothyreose liegt die Ursache direkt in der Schilddrüse. Das Organ kann nicht mehr ausreichend Hormone bilden. Am häufigsten entsteht diese Funktionsstörung nach einer Hashimoto-Thyreoiditis. Bei dieser Erkrankung ist das Schilddrüsengewebe entzündet und schrumpft dadurch. Ein anderer Grund sind ärztliche Behandlungen wie Operationen, Radiojodtherapie oder bestimmte Medikamente. Ein weiterer, in Deutschland heute aber sehr seltener Auslöser ist ein ausgeprägter Mangel an den Spurenelementen Jod oder Selen.
Bei der (seltenen) sekundären Hypothyreose kommt es durch eine Hypophysenstörung zu einer Fehlregulation der Schilddrüsenhormone. Die Hypophyse ist eine kleine Drüse im Gehirn, die durch Botenstoffe die Funktion anderer Drüsen reguliert. Wenn sie nicht genügend des Steuerungshormons TSH bildet, wird die Schilddrüse nicht ausreichend stimuliert.
Die angeborene Schilddrüsenunterfunktion ist meist eine Entwicklungsstörung der Schilddrüse. Seltener stört ein genetischer Defekt die Bildung der Hormone.
Klinik, Verlauf und Komplikationen
Die Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion entwickeln sich meist über viele Jahre hinweg. Oft werden sie lange Zeit nicht wahrgenommen.
Der Stoffwechsel läuft bei der Schilddrüsenunterfunktion auf Sparflamme. Dann kommt es zu allgemeinen Beschwerden wie Müdigkeit, körperlicher Schwäche, verlangsamtem Denken mit Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und einer allgemeinen Antriebs- und Teilnahmslosigkeit bis hin zur depressiven Stimmung.
Da sich alle Körperfunktionen verlangsamen, wird auch der Herzschlag langsamer. Die Verdauung wird träge, was zur chronischen Verstopfung führen kann. Obwohl der Appetit vermindert ist, nehmen Betroffene immer mehr zu. Typisch ist auch, dass Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion Kälte nicht mehr gut vertragen und oft frieren.
Die Haut der Betroffenen fühlt sich kühl und trocken an, das Haar wird stumpf und fällt vermehrt aus. Auch die Stimme kann sich verändern und tief und heiser klingen. Das Sprechen kann langsamer werden als zuvor. Zusätzlich kann sich eine Schwerhörigkeit entwickeln.
Bei einigen Menschen vergrößert sich die Schilddrüse zu einem sogenannten Kropf. Das ist vor allem der Fall, wenn der Auslöser ein Jodmangel oder eine beginnende Hashimoto-Thyreoiditis ist.
Typisch für eine fortgeschrittene Schilddrüsenunterfunktion ist das Myxödem: teigige, gelbliche Hautschwellungen, die sich besonders im Gesicht sowie an Händen und Füßen zeigen.
Häufig sind auch Muskelkrämpfe, sowie Empfindungsstörungen wie Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln in den Händen, Füßen und Beinen.
Eine Schilddrüsenunterfunktion beeinträchtigt auch die Fruchtbarkeit. Das zeigt sich durch Zyklusstörungen mit unregelmäßigen, aber ungewöhnlich starken Blutungen. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Menstruation ganz ausbleiben. Männer können Erektionsstörungen entwickeln. Bei Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion bleibt ein Kinderwunsch oft unerfüllt.
Bei Neugeborenen zeigt sich eine Schilddrüsenunterfunktion schon in den ersten Lebenstagen. Betroffene Säuglinge sind schläfrig, trinken schlecht und bewegen sich wenig. Die Muskelspannung ist insgesamt verringert. Werden die Kinder mit einer Gelbsucht geboren, hält diese über mehrere Wochen an. Zudem haben die Neugeborenen Verstopfung, einen verlangsamten Puls und eine verminderte Körpertemperatur. Mitunter fällt eine weite Fontanelle auf. Die bei Babys typische weiche Lücke zwischen den Schädelknochen ist also besonders groß. Auch ein Nabelbruch kann auftreten. Dann wölbt sich in der Nabelregion Gewebe aus dem Bauch vor und drückt sich als kleine Beule nach außen.
Bei etwas älteren Babys ist eine vergrößerte Zunge typisch, aber auch struppiges Haar, trockene und kalte Haut und teilweise auch ein Myxödem mit teigiger Hautschwellung.
Bleibt die Schilddrüsenunterfunktion unbehandelt, wachsen und entwickeln sich die Kinder nur verzögert. Sie bleiben kleinwüchsig und die Zähne brechen erst später durch als üblich. Auch in der geistigen Entwicklung bleiben die Kinder zurück. Sie fallen durch Apathie, Sprachstörungen und Intelligenzminderung auf. Weitere typische Befunde im Kindesalter sind Schwerhörigkeit und Adipositas.
Komplikation: Eine gefürchtete, aber heute nur noch seltene Komplikation ist das Myxödemkoma (hypothyreotes Koma). Dabei verschlechtert sich die Schilddrüsenunterfunktion plötzlich und drastisch. Auslöser sind z. B. Infektionen, Operationen, schwere Traumata oder starke Unterkühlung. Betroffene sind bewusstlos oder sogar im Koma. Dazu kommen weitere Organfunktionsstörungen wie Blutdruckabfall, Atemstörungen und Untertemperatur. Trotz intensivmedizinischer Behandlung endet das Myxödemkoma in 30 bis 50 % der Fälle tödlich.
Diagnosesicherung
Um die Schilddrüsenfunktion zu überprüfen, nimmt die Ärzt*in Blut ab. Das Labor prüft dann die Schilddrüsenhormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin) sowie das Steuerungshormon TSH. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion sind T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin) erniedrigt. Der TSH-Spiegel ist bei der primären Hypothyreose erhöht, bei der sekundären erniedrigt.
Eine Sonderform der Schilddrüsenunterfunktion ist die subklinische Schilddrüsenunterfunktion, auch latente Schilddrüsenunterfunktion genannt. Dabei sind die Schilddrüsen-Werte im Blut noch normal. Die Betroffenen bemerken noch keine oder nur sehr milde Symptome. Das Steuerungshormon TSH ist aber bereits deutlich erhöht. Die Schilddrüse arbeitet also bereits auf Hochtouren, um gerade noch ausreichend Schilddrüsenhormone zu bilden. Die subklinische Schilddrüsenunterfunktion wird meist nur zufällig entdeckt. Das kann z. B. der Fall sein, wenn bei Routine-Check-Ups, Menschen mit Diabetes oder bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch das Blut untersucht wird. Abhängig vom TSH-Wert, dem Alter und eventuell bestehender Symptome kann auch hier schon eine Ersatzbehandlung mit Schilddrüsenhormonen sinnvoll sein. Auf jeden Fall muss die Schilddrüsenfunktion weiterhin überwacht werden, da das Risiko einer symptomatischen, also manifesten Schilddrüsenunterfunktion erhöht ist.
Oft schließt sich danach weitere Diagnostik an, z. B. eine Bestimmung von Antikörpern. Häufig ermittelt wird der Thyreoid-Peroxidase-Antikörper (TPO-Ak), um eine Hashimoto-Thyreoiditis auszuschließen. Auch weitere Blutuntersuchungen können sinnvoll sein, etwa eine Bestimmung der Cholesterin- und Blutzuckerwerte. Manchmal lassen sich bei einer Ultraschalluntersuchung Veränderungen an der Schilddrüse erkennen.
Bei Neugeborenen ist die Überprüfung der Schilddrüsenfunktion routinemäßig ein Teil des Neugeborenen-Screenings. Hierzu werden am 2.–3. Lebenstag 1–2 Tropfen Blut aus der Ferse entnommen, auf ein Filterpapier getropft und daraus das TSH bestimmt. Ist der Wert auffällig, schließen sich sofort weitere Untersuchungen an und es wird umgehend mit dem Ersatz der fehlenden Hormone begonnen, um Folgeschäden zu vermeiden.
Differenzialdiagnosen. Bei älteren Menschen werden die Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion oft als normale Alterserscheinungen fehlinterpretiert. Bei Frauen werden die Symptome oft auch als Wechseljahresbeschwerden fehlgedeutet. Bei ausgeprägter Antriebs- und Teilnahmslosigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie depressiver Stimmung wird die Hypothyreose oft auch mit einer Depression oder beginnenden Demenz verwechselt. Deshalb wird bei diesen Verdachtsdiagnosen immer zuerst die Schilddrüsenfunktion abgeklärt. Bei vielen schwerkranken Menschen auf der Intensivstation kommt es oft im Krankheitsverlauf zum Absinken der Schilddrüsenhormone, dem sogenannten Euthyreod-Sick-Syndrom. In diesem Fall ist jedoch keine zusätzliche Gabe von Schilddrüsenhormonen erforderlich. Wird die Grunderkrankung erfolgreich behandelt, normalisieren sich auch die Schilddrüsenhormone wieder.
Behandlung
Behandelt wird die Schilddrüsenunterfunktion mit dem Ersatz der fehlenden Hormone. Diese werden einfach als Tablette (Levothyroxin) eingenommen. Begonnen wird immer mit einer niedrigen Dosis. Kontroll-Untersuchungen zeigen dann, wie sich der Wert verbessert. Nach und nach wird die Dosis gesteigert, bis die Werte gut sind. Oft muss Levothyroxin lebenslang eingenommen werden. Außerdem sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Schilddrüsenfunktion erforderlich. Bei Kindern wird außerdem das Wachstum, die geistige Entwicklung sowie das Hörvermögen überwacht.
Liegt die Schilddrüsenunterfunktion an einem Jod- oder Selenmangel, müssen zusätzlich auch diese Spurenelemente eingenommen werden.
Prognose
Die Prognose bei der erworbenen Schilddrüsenunterfunktion ist sehr gut. Bei konsequenter Behandlung und regelmäßiger Überwachung sind die Betroffenen meist beschwerdefrei. Die Lebenserwartung ist normal.
Bei der angeborenen Schilddrüsenunterfunktion hängt die Prognose vom Behandlungsbeginn ab. Der Kleinwuchs lässt sich auch bei verspäteter Behandlung noch korrigieren. Die Hirnschäden sind jedoch unumkehrbar.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Medikamenteneinnahme. Levothyroxin sollte morgens nüchtern eingenommen werden – in der Regel 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück und immer zur selben Uhrzeit. Viele Nahrungsmittel können die Aufnahme des Wirkstoffs beeinträchtigen. Hierzu zählen vor allem kalziumhaltige Lebensmittel wie Milch oder Milchprodukte. Zwischen der Schilddrüsen-Tablette und dem ersten Milchkaffee sollte also am besten eine Stunde liegen.
Präparatwechsel. Das Schilddrüsen-Präparat zu wechseln ist nicht ratsam, da die verschiedenen Levothyroxin-haltigen Medikamente in ihrer Bioverfügbarkeit variieren. Das bedeutet, dass der Körper den Wirkstoff unterschiedlich schnell und nicht in gleichem Umfang aufnimmt. Achten Sie daher in der Apotheke darauf, immer dasselbe Präparat zu bekommen. Ist doch einmal ein Präparatwechsel nötig, sollte der TSH-Spiegel 6–8 Wochen später kontrolliert werden. Außerdem ist der Puls während der Umstellungsphase zu überwachen.
Körperpflege. Nach Behandlungsbeginn dauert es in der Regel nur wenige Wochen, bis sich die Beschwerden zurückbilden. Achten Sie in der Zeit auf besondere Körperpflege, die auf trockene Haut und Haare abgestimmt ist. Hilfreich sind z. B. Wasser-in-Öl-Emulsionen. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke dazu beraten.
Prävention
Einer Schilddrüsenunterfunktion lässt sich in der Regel nicht vorbeugen, da sie meist durch eine Autoimmunerkrankung oder unvermeidbare medizinische Maßnahmen ausgelöst wird. Nur selten kommt es durch die ungenügende Aufnahme von Jod oder Selen zur Unterfunktion. Durch jodiertes Speisesalz und eine ausgewogene Ernährung lässt sich einem Spurenelementmangel entgegenwirken. Jodreich sind z. B. Meeresfische, Eier und Milchprodukte. Selen ist z. B. in Paranüssen und Fisch enthalten. Eine Überdosierung schadet jedoch eher, als sie nützt. Nehmen Sie daher hochdosierte Jodtabletten oder Algenpräparate nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärzt*in ein. Schon eine Paranuss am Tag deckt den Bedarf an Selen. Langfristig sollten nicht mehr als 2 Stück pro Tag verzehrt werden.
Weiterführende Informationen
Schilddrüsenliga Deutschland e.V.: Beratung, Information und Selbsthilfegruppen für verschiedene Schilddrüsenerkrankungen
Quellen:
- Pschyrembel (2026) Hypothyreose. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 28.09.2026 unter https://www.pschyrembel.de/Hypothyreose/K0AFX
- Amboss (2026) Hypothyreose. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 28.09.2026 unter https://next.amboss.com/de/search?q=Hypothyreose
- Herold - Innere Medizin (2026) Angeborene Hypothyreose. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 28.09.2026 unter https://www.pschyrembel.de/Angeborene%20Hypothyreose/L0L98/doc/
- Herold - Innere Medizin (2026) Erworbene Hypothyreose. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 28.09.2026 unter https://www.pschyrembel.de/Erworbene%20Hypothyreose/L0MPL/doc/
28.10.2026 | Kristine Raether-Buscham, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Daniela Grimm
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